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Madonna Stadtmuseum Weilheim

Das Bild der Madonna ist seit fast zweitausend Jahren in der Kunst der westlichen Welt fest verankert. In all diesen vom europäischen Geist geprägten Kulturen verkörpert die Madonna in reinster Form bedingungslose Liebe und wird als mitfühlende und versöhnende Nährmutter aller Christen verstanden. Sie wird aber auch als die liebende Mutter und als Beschützerin der gesamten Menschheit gesehen.

Die Marienverehrung beruht auf dem Glauben, dass nur Maria allein Schmerz, Leidenschaften und Glück der Menschen wirklich verstehen kann; sie tröstet, verzeiht und vermittelt und ist das Bindeglied zwischen den Menschen und ihrem Gott. Sie wurde als Königin des Himmels, Mutter aller Menschen und als Verkörperung des Mitleidens verehrt, darüber hinaus verkörpert sie Selbstlosigkeit, Demut und Fürsorge und steht für die weibliche Spiritualität in der Christenheit. Die Madonna hat eine lange Tradition in der christlich geprägten Malerei. Viele Künstler haben sie als Heilige, als Gütige, als Mutter, die tröstet und einem beisteht… gezeigt.

In vielen Darstellungen ist sie nicht wirklich anwesend?

Wie empfanden bzw. empfinden es die Menschen, die sich nach ihrer Mutter sehnen, sie brauchen, Halt suchen? Viele Gläubige spüren ihre Präsenz im Inneren, im Geistigen. Aber haben nicht auch sie das Bedürfnis ihrer wirklichen körperlichen Nähe? Ist die Madonna nicht ein Symbol für die sie bedingungslos liebende Mutter im Hier und Jetzt auf der Erde, ihrer leiblichen Mutter?

Die Madonna wurde schon von vielen Künstlern als Thema in ihren Arbeiten aufgegriffen. Meist wird sie gezeigt mit ihrem göttlichen Kind. Die Mutter Gottes, die durch die „unbefleckte Empfängnis“ zu ihrem Sohn Gottes kam. Immer ist sie selbst als Person im Vordergrund, immer geht es um ihre seelische Verfassung, ihre Haltung…

Was aber ist mit dem Kind? Wie fühlt es, meist nackt, in den Armen der Madonna?

Mirja Lang nimmt Motive von Madonnen auf von verschiedenen Künstlern der Renaissance und des Barocks, die die Mutter Gottes in einer uns vertrauten Weise gemalt haben. Dabei wählt sie aber einen Ausschnitt und möchte durch ihre Farben und Formen die psychische und seelische Perspektive des Kindes sprechen lassen. Denn noch nie ist die Auseinandersetzung mit sich selbst und dem Leben unter den Menschen so wichtig geworden wie heute. Viele versuchen auf der Suche nach ihrem Glück, sich um ihr Seelenheil zu kümmern und alte Wunden an die Oberfläche zu holen, um zu heilen. Noch nie war die Bereitschaft dazu so groß wie heute. Viele Themen nehmen ihren Anfang, wenn sie das Licht der Erde erblicken und in den Armen ihrer Mutter liegen.

Das Kind fleht um Nähe, möchte gesehen werden, möchte geliebt werden für das, was es ist, denn es weiß noch nicht, was es ausmacht. Die Liebe zu sich selbst findet vielleicht ihren Anfang in den liebenden Augen der eigenen Mutter und in dem Gefühl, bedingungslos von ihr beschützt, gehalten und behütet zu sein.

Jede Mutter liebt ihr Kind und möchte nur das Beste für es. Deshalb tut sie alles, wie sie es für richtig hält. Manchmal gibt sie aber Dinge an ihr Kind weiter, die sie selbst nicht heil erfahren hat, meist ohne es zu wissen. Deshalb ist auch sie nicht unfehlbar, denn sie ist auch nur ein Mensch. Aber wir alle unterliegen der Kraft des „freien Willens“ und haben jeden Tag die Chance, zu erkennen und heil zu werden, für uns und damit wieder für unsere Kinder. Auch wenn die Bedingungen, die uns in die Wiege gelegt wurden nicht immer die optimalsten waren, liegt es an uns sich zu entwickeln, heil zu werden, als Mensch, hier auf der Erde.