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Engel auf Erden Lenbach München

Seit jeher haben die Menschen von Engeln gesprochen, sie gemalt oder modelliert. Erste Aufzeichnungen von ihnen findet man in der Bibel. Immer wieder hört man von Berichten, dass Menschen auf ihrem Weg von Engeln begleitet werden, sich geliebt, geschützt und inspiriert fühlen.

Was fasziniert Menschen an diesen Lichtgestalten, dass sie bis heute immer wieder das Bedürfnis hatten, sie darzustellen? …und heute mehr denn je? Engel umgeben uns im Alltag öfter, als wir vielleicht bewusst wahrnehmen. Besonders in Kirchen sind uns die barocken Putten, die pausbäckigen Kindergesichter mit ihren propperen nackten Kinderkörpern sehr vertraut. Die beiden Engel von Michelangelo aus der Sixtinischen Kapelle kennt inzwischen jeder. Sie erscheinen auf allen möglichen Produkten in Geschenkläden.

Engel werden besungen in Texten von : Robbie Williams /Angel , Reamonn/ Angels fly, The Corrs/ Angel, Abba/ I believe in angels etc. Auch in Filmen werden sie als Begleiter von Menschen gezeigt: „Ein Engel auf Erden“, „Der Himmel über Berlin“, oder als Engel angesehen: „Wir sind keine Engel“. Gerade heute gibt es einen regelrechten „Engelboom“! Warum? Die Antwort liegt vielleicht darin, wie wir die Welt wahrnehmen.

Unser Weltbild ist im Augenblick überwiegend negativ geprägt. Es gibt keine Berichterstattung ohne Meldungen von Krieg, Mord, Todschlag und Naturkatastrophen. Vielleicht lässt gerade diese negative Sichtweise die unbewusste, tiefe Sehnsucht der Menschen nach Schutz, Geborgenheit und den „guten“ und „schönen“ Dingen dieser Welt entstehen. Und genau für diese Werte sind Engel ein starkes Symbol. Naturwissenschaftler bestreiten die Existenz von Lichtwesen, zu denen auch Engel gehören. Dennoch gibt es ein eigenes Forschungsgebiet, das sich „Angeologie“ nennt. Angeologen untersuchen vornehmlich anthroposophische, kultur- und kunsthistorische Aspekte von Engeln.

Die äußere Gestalt der Engel ist aus der Phantasie der Menschen entstanden. Was ist aber mit ihrem Sein als Ganzes, das den Menschen ein Gefühl von Wärme, Geborgenheit, Trost, Hoffnung und Unterstützung vermittelt? Werden die Menschen nicht von diesen den Engeln zugeschriebenen Attribute fasziniert? Sind sie in diesem Sinne wirklich nur dem Himmel vorbehalten?

Man bezeichnet auch Menschen, die mit ihrem ganzen Einsatz Gutes tun, z.B. Mutter Theresa, als „Engel auf Erden“.

Aus diesem Zusammenhang heraus ist die künstlerische Motivation von Mirja Lang für die Ausstellung „Engel auf Erden“ entstanden. In der jüngeren Vergangenheit beschäftigten sich viele Künstler mit den sehr negativen, grotesken und hässlichen Aspekten des Lebens und der Welt und tun es auch heute noch. Im Theater, in der Aktionskunst und auch in der Malerei kommt man zur Zeit offensichtlich nicht ohne Niederträchtiges, Blutrünstiges und Reißerisches aus. Mirja Langs Intention ist es zu diesem Trend einen Gegenpol zu setzen. Deshalb möchte die Künstlerin das Schöne, die Freude und das Gute zeigen, für das die Engel symbolhaft stehen.

Die Ausstellung „Engel auf Erden“ zeigt die archetypischen Engelsgestalten, die Menschen aus ihrer Phantasie geschaffen haben. Mit philosophischen Zitaten von „weisen“ Menschen möchte Mirja Lang die Aussagen ihrer Engelbilder bekräftigen. Es sind nicht nur die Taten, die auf der Erde „Lichtpunkte“ setzen können. Manchmal sind es auch nur schöne und weise Worte.

Die fließende Grenze zum Kitschigen, die der einzelne dabei subjektiv empfinden mag, wird von ihr bewusst in Kauf genommen.

In der Ausstellung „Engel auf Erden“ werden die verschiedenen Zitate direkt unter die Engelbilder gehängt